Werkzeugakkus richtig lagern und ihre Lebensdauer verlängern
Akkuschrauber, Stichsäge, Rasentrimmer und andere Akkuwerkzeuge werden nicht das ganze Jahr über gleich häufig genutzt. Nach einer Renovierung verschwinden sie für einige Monate im Keller, die Akku-Heckenschere wartet im Winter auf die nächste Gartensaison und manches Elektrowerkzeug kommt nur bei gelegentlichen Reparaturen aus dem Schrank. Häufig wird dabei zwar das Werkzeug gereinigt und ordentlich verstaut, der Akku bleibt jedoch unbeachtet im Gerät oder im Ladegerät stecken. Gerade während längerer Nutzungspausen entscheidet die richtige Lagerung darüber, wie viel Leistung der Akku bei seinem nächsten Einsatz noch besitzt.
Moderne Werkzeugakkus altern auch ohne Benutzung
In den meisten aktuellen Akkuwerkzeugen stecken Lithium-Ionen-Akkus. Sie sind leistungsfähig, vergleichsweise leicht und verlieren während der Lagerung nur langsam ihre Ladung. Trotzdem altern die darin enthaltenen Zellen auch dann, wenn der Akku gar nicht verwendet wird. Wie schnell dieser Prozess voranschreitet, hängt unter anderem von der Temperatur, dem Ladezustand und dem allgemeinen Zustand des Akkus ab. Besonders hohe Temperaturen und eine dauerhaft vollständige Ladung können die Alterung beschleunigen. Ein Akku sollte deshalb nicht einfach vollgeladen an irgendeinem freien Platz abgelegt werden.
Den Akku vor der Lagerung aus dem Werkzeug nehmen
Für eine längere Pause sollte ein abnehmbarer Akku grundsätzlich aus dem Werkzeug herausgenommen werden. Dadurch wird verhindert, dass Elektronik oder Schalter im Gerät über einen langen Zeitraum geringe Mengen Energie verbrauchen. Gleichzeitig lässt sich der Akku getrennt an einem geeigneten Ort aufbewahren, während das Werkzeug beispielsweise in einer kühleren Garage bleibt. Vor dem Herausnehmen muss das Gerät ausgeschaltet sein. Bei Werkzeugen mit fest eingebautem Akku gelten dagegen die Angaben der Bedienungsanleitung, da sich die Energiequelle nicht separat lagern lässt.
Auch das Ladegerät ist kein dauerhafter Aufbewahrungsort
Nach dem Laden bleibt der Akku in vielen Werkstätten einfach im Ladegerät stecken. Für einige Stunden ist das bei einem intakten, passenden Ladegerät normalerweise kein Problem. Als dauerhafter Lagerplatz ist es jedoch nicht vorgesehen. Akku und Ladegerät sollten nach Abschluss des Ladevorgangs getrennt und das Ladegerät vom Stromnetz genommen werden. Das vermeidet unnötigen Stromverbrauch und sorgt dafür, dass der Akku nicht über Wochen oder Monate an einem möglicherweise warmen Ladeplatz verbleibt. Hersteller wie Stihl empfehlen ausdrücklich, den Akku getrennt vom Ladegerät aufzubewahren.
Ein mittlerer Ladezustand ist für längere Pausen sinnvoll
Ein Werkzeugakku muss vor dem Einlagern weder vollständig geladen noch bewusst leer gearbeitet werden. Für Lithium-Ionen-Akkus wird bei längeren Nutzungspausen häufig ein mittlerer Ladezustand empfohlen. Als Orientierung gelten ungefähr 40 bis 60 Prozent. Bei einem Akku mit mehreren Kontrollleuchten entspricht das je nach Modell meist etwa der Hälfte der angezeigten Kapazität. Stihl nennt für die längerfristige Lagerung ebenfalls einen Bereich von 40 bis 60 Prozent, während Bosch darauf hinweist, dass eine vollständig geladene Zelle während der Lagerung stärker altert als eine nur teilweise geladene. Die konkrete Herstellerangabe für das eigene Akkusystem hat dennoch Vorrang.
Ganz leer sollte der Akku ebenfalls nicht sein
Ein vollständig entladener Akku sollte nicht monatelang unbeachtet liegen bleiben. Obwohl moderne Akkupacks über eine Schutzschaltung verfügen, entladen sie sich während der Lagerung langsam weiter. Sinkt die Zellspannung zu stark, kann eine Tiefentladung entstehen. Der Akku lässt sich dann möglicherweise nicht mehr mit dem normalen Ladegerät aktivieren oder verliert dauerhaft an Kapazität. Wer ein Akkuwerkzeug bis zur automatischen Abschaltung benutzt hat, sollte den Akku deshalb vor einer längeren Pause zumindest teilweise laden. Das gilt besonders für ältere Akkus, deren Selbstentladung und Zellzustand nicht mehr zuverlässig eingeschätzt werden können.
Kühle Raumtemperatur statt Winterkälte
Ein unbeheizter Geräteschuppen erscheint zunächst als naheliegender Lagerplatz. Dort können die Temperaturen im Winter jedoch weit unter den Gefrierpunkt fallen und im Sommer stark ansteigen. Besser geeignet ist ein trockener Raum mit möglichst gleichmäßiger, mäßiger Temperatur. Einhell bezeichnet etwa 15 bis 20 Grad Celsius als optimalen Bereich für die Lagerung der eigenen Akkus. Bosch empfiehlt grundsätzlich Zimmertemperatur und weist darauf hin, dass hohe Temperaturen die Lebensdauer verkürzen können. Die zulässigen Grenzwerte unterscheiden sich je nach Hersteller und Modell, weshalb die Bedienungsanleitung maßgeblich bleibt.
Hitze schadet stärker als viele vermuten
Werkzeugakkus sollten niemals in direkter Sonne, neben einem Heizkörper oder dauerhaft in einem abgestellten Fahrzeug aufbewahrt werden. Im geschlossenen Auto, in einer Metallbox oder unter einem dunklen Garagendach können im Sommer sehr hohe Temperaturen entstehen. Wärme beschleunigt die chemische Alterung der Zellen und kann bei extremer Hitze auch die Elektronik und das Gehäuse beschädigen. Ein Akku, der nach der Arbeit deutlich warm geworden ist, sollte zunächst an einem sicheren Ort abkühlen, bevor er geladen oder eingelagert wird. Das gilt vor allem nach hoher Belastung in Winkelschleifern, Sägen oder leistungsstarken Gartengeräten.
Einen kalten Akku nicht sofort laden
Wurde ein Akku bei niedrigen Temperaturen gelagert oder transportiert, sollte er sich vor dem Laden zunächst an die Raumtemperatur anpassen. Hersteller geben für das Laden meist einen engeren Temperaturbereich vor als für die reine Lagerung. Stihl nennt für seine Lithium-Ionen-Akkus beispielsweise einen Ladetemperaturbereich von etwa 5 bis 40 Grad Celsius. Bei einem intelligenten Ladegerät kann der Ladevorgang aus Sicherheitsgründen verzögert werden, bis der Akku eine geeignete Temperatur erreicht hat. Die jeweiligen Werte sind jedoch vom Akkusystem abhängig und müssen in der Bedienungsanleitung geprüft werden.
Feuchtigkeit und Kondenswasser vermeiden
Neben der Temperatur spielt auch die Feuchtigkeit eine wichtige Rolle. Ein feuchter Keller, ein undichtes Gartenhaus oder ein Regal unmittelbar neben einem Garagentor sind keine guten Lagerplätze. Wasser und dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit können Kontakte korrodieren und Schmutz am Akkugehäuse binden. Besonders problematisch ist Kondenswasser: Wird ein sehr kalter Akku in einen warmen Raum gebracht, kann sich Feuchtigkeit auf und möglicherweise auch im Bereich der Kontakte niederschlagen. Der Akku sollte dann ausgeschaltet beziehungsweise vom Werkzeug getrennt bleiben, bis er vollständig trocken ist und Raumtemperatur erreicht hat.
Kontakte vor Schmutz und Metallteilen schützen
Die Anschlusskontakte eines Werkzeugakkus dürfen nicht mit Schrauben, Nägeln, Bohrern, Schlüsseln oder anderen leitenden Gegenständen in Berührung kommen. Werden die Kontakte durch ein Metallteil verbunden, kann ein Kurzschluss entstehen. Akkus sollten deshalb nicht lose in einer Werkzeugkiste liegen, in der sich gleichzeitig Befestigungsmaterial oder Handwerkzeug befindet. Gut geeignet sind ein eigenes Fach, die Originalverpackung, ein passender Transportkoffer oder eine vom Hersteller vorgesehene Akkuhalterung. Eine geschlossene Box schützt zusätzlich vor Staub und Spritzwasser, darf aber nicht luftdicht verschlossen werden, wenn sich darin noch ein warmer oder feuchter Akku befindet.
Vor dem Einlagern nur vorsichtig reinigen
Anhaftender Staub, Sägemehl und trockener Schmutz lassen sich mit einem weichen Pinsel oder einem trockenen Tuch entfernen. Bei stärkerer Verschmutzung kann das Gehäuse mit einem leicht feuchten Tuch abgewischt werden, sofern der Hersteller dies erlaubt. Wasser, Lösungsmittel, aggressive Reiniger und Druckluft aus kurzer Entfernung sind ungeeignet. Flüssigkeit darf weder in Lüftungsöffnungen noch an die Kontakte gelangen. Vor dem Verstauen muss der Akku vollständig trocken sein. Stihl empfiehlt ebenfalls, den Akku vor der Lagerung bei Bedarf mit einem leicht feuchten Tuch zu säubern und anschließend geschützt vor Nässe und Sonne aufzubewahren.
Den Memory-Effekt nicht mit Lithium-Ionen-Akkus verwechseln
Aus der Zeit älterer Nickel-Cadmium-Akkus hält sich die Regel, einen Akku vor jedem Laden vollständig zu entleeren. Für moderne Lithium-Ionen-Werkzeugakkus ist das weder notwendig noch empfehlenswert. Sie besitzen keinen für den Alltag relevanten Memory-Effekt und können auch nach einer Teilentladung wieder geladen werden. Das absichtliche vollständige Entladen belastet den Akku eher, als dass es ihm nützt. Wer nur ein paar Schrauben eingedreht hat, darf den Akku deshalb ohne Bedenken wieder nachladen. Entscheidend ist vielmehr, ihn nicht dauerhaft leer oder vollständig geladen unter ungünstigen Temperaturen zu lagern.
Akkus während einer langen Lagerung kontrollieren
Auch ein korrekt eingelagerter Akku sollte nicht für mehrere Jahre völlig vergessen werden. Bei einer Lagerung über viele Monate lohnt sich eine gelegentliche Sicht- und Ladekontrolle. Dabei wird geprüft, ob sich das Gehäuse verändert hat, ob die Kontakte sauber sind und ob die Ladezustandsanzeige noch eine ausreichende Restkapazität meldet. Ist der Ladezustand deutlich abgesunken, kann der Akku wieder bis in den vom Hersteller empfohlenen Lagerbereich geladen werden. Ein monatliches Nachladen ist bei modernen Lithium-Ionen-Akkus normalerweise nicht erforderlich. Zu häufiges Prüfen und vollständiges Aufladen bringt keinen zusätzlichen Vorteil.
Mehrere Akkus eindeutig kennzeichnen
Wer mehrere gleich aussehende Akkus besitzt, verliert schnell den Überblick darüber, welcher Akku besonders häufig benutzt wurde oder bereits nach kurzer Zeit an Leistung verliert. Eine kleine Nummer oder eine unauffällige Beschriftung erleichtert die Zuordnung. Zusätzlich kann das Kaufdatum notiert werden. So lässt sich erkennen, ob ein bestimmter Akku deutlich schneller leer wird als vergleichbare Exemplare. Bei mehreren Akkus desselben Systems ist es sinnvoll, sie abwechselnd zu verwenden. Dadurch wird nicht immer derselbe Akku stark beansprucht, während die übrigen ungenutzt altern.
Neue und alte Akkus nicht unbedacht vergleichen
Die aufgedruckte Kapazität allein sagt nicht, wie lange ein älterer Akku in der Praxis noch arbeitet. Alter, Einsatztemperatur, Belastung und bisherige Ladezyklen beeinflussen die verfügbare Leistung. Ein Akku kann in einem Akkuschrauber noch unauffällig funktionieren, bei einer Kreissäge oder einem Winkelschleifer unter hoher Belastung aber frühzeitig abschalten. Bosch weist darauf hin, dass die Werkzeugleistung unter anderem vom Ladezustand, von der Temperatur und vom Alter beziehungsweise Allgemeinzustand des Akkus abhängt. Ein nachlassender Akku ist daher nicht automatisch falsch gelagert worden, doch gute Lagerbedingungen können seine Alterung verlangsamen.
Beschädigte Akkus nicht weiterverwenden
Ein gerissenes Gehäuse, stark verformte Stellen, ungewöhnliche Erwärmung, ausgetretene Flüssigkeit oder ein auffälliger Geruch sind Warnzeichen. Ein solcher Akku darf weder geladen noch in ein Werkzeug eingesetzt werden. Er sollte von brennbaren Materialien ferngehalten und nach den Angaben des Herstellers beziehungsweise der örtlichen Sammelstelle behandelt werden. Aufgeblähte oder anderweitig beschädigte Akkus dürfen nicht geöffnet, zusammengedrückt oder eigenständig repariert werden. Auch eine vermeintlich defekte Schutzschaltung sollte nur von einem dafür qualifizierten Fachbetrieb überprüft werden.
Alte Akkus gehören nicht in den Hausmüll
Hat ein Werkzeugakku seine nutzbare Kapazität verloren oder ist er beschädigt, muss er fachgerecht entsorgt werden. Akkus und Batterien gehören nicht in den Restmüll. Sie können in der Regel bei öffentlichen Sammelstellen, Wertstoffhöfen oder teilnehmenden Händlern abgegeben werden. Vor dem Transport sollten die Kontakte gegen Kurzschluss gesichert werden, beispielsweise mit geeignetem Klebeband, sofern die örtliche Sammelstelle oder der Hersteller dies empfiehlt. Beschädigte Akkus erfordern möglicherweise eine gesonderte Annahme, weshalb vorab nachgefragt werden sollte.
Vor dem nächsten Einsatz langsam wieder starten
Nach einer längeren Lagerzeit wird der Akku zunächst auf sichtbare Schäden kontrolliert und bei geeigneter Temperatur mit dem vorgesehenen Ladegerät geladen. Anschließend sollte er nicht sofort unbeaufsichtigt in einem besonders leistungsintensiven Werkzeug betrieben werden. Ein kurzer Test im Akkuschrauber oder einem anderen Gerät zeigt, ob der Akku normal reagiert, seine Ladung hält und sich nicht ungewöhnlich stark erwärmt. Nach einer kalten Lagerung muss er vor dem Einsatz ebenfalls Raumtemperatur erreichen. Ein stark ausgekühlter Akku kann vorübergehend weniger Leistung liefern, ohne deshalb dauerhaft defekt zu sein.
Ein einfacher Lagerplatz schützt eine teure Investition
Für die richtige Lagerung ist kein speziell ausgestatteter Akkuschrank erforderlich. Ein trockener, sauberer Platz bei mäßiger und möglichst gleichmäßiger Temperatur genügt in vielen privaten Werkstätten. Der Akku wird aus dem Werkzeug genommen, vom Ladegerät getrennt, auf einen mittleren Ladezustand gebracht und so verstaut, dass seine Kontakte nicht mit Metallteilen in Berührung kommen. Wer zusätzlich Hitze, starke Kälte, Feuchtigkeit und vollständige Entladung vermeidet, schafft gute Voraussetzungen dafür, dass die Werkzeugakkus auch nach einer längeren Pause zuverlässig arbeiten. Da sich zulässige Temperaturen und Empfehlungen zwischen den Herstellern unterscheiden können, bleibt die Bedienungsanleitung des jeweiligen Akkus und Ladegeräts immer die wichtigste Grundlage.
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